Eltern sollen klagen 2. Fachtag des
Quer-Wege e.V.: Expertin rät Eltern von Kindern mit Behinderung zum
Rechtsstreit und Jena Entwicklung zur inklusiven Stadt
Auch wenn Jena mit einer
Integrationsquote von 63 Prozent im Bundesdurchschnitt vorn liegt, ist die
Stadt noch weit entfernt von den Forderungen der Vereinten Nationen nach einem
inklusiven Bildungssystem. Dies ist das Ergebnis des 2. Fachtages des Jenaer
Vereins Quer-Wege e.V. in der vergangene Woche.
Über 170 Gäste hörten im
vollbesetzten Foyer der Bilingualen Kita BILLY den Vortrag der Berliner
Professorin Jutta Schöler, die Kitas, Schulen, Fachdiensten und Eltern Mut
machte, für gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung zu kämpfen.
Dabei erzählte sie mit vielen Beispielen, wie Schüler mit dem Down-Syndrom am
Gymnasium lernen oder ein Kind im Wachkoma an einer allgemeinbildenden Schule
angenommen wurde.
Damit diese Einzelfälle zur
Gewohnheit werden, rät Prof. Dr. Jutta Schöler Eltern von Kindern mit
Behinderung ihr Recht auf gemeinsames Lernen einzuklagen. „Deutschland hat die
UN-Konvention unterzeichnet, nach der Kinder mit Behinderung das Recht darauf
haben, in eine allgemeinbildende Schule zu gehen“, so Prof. Dr. Jutta Schöler.
Laut Schöler gebe es kein anderes Land außer Deutschland, in dem der Staat
darüber entscheidet, in welche Schule ein Kind mit Behinderung gehen darf und
ergänzt: „Die Juristen warten auf einen Präzedenzfall.“ Zukünftig müssten sich
alle Schulen auf alle Kinder einstellen und entsprechende Bedingungen für das
gemeinsame Lernen schaffen. Dann ist Jena auf dem besten Weg zu einer
inklusiven Stadt, die Prof. Dr. Schöler den Gästen des Fachtages und den
Einwohnern der Saalestadt herzlich wünscht.